Die Seite lädt
Bitte haben Sie etwas Geduld.

menu

12.09.2017 10:19 Kategorie: Presse & Fachpresse

"Wir leben Löten jeden Tag"

Markt&Technik-Interview mit Matthias Fehrenbach

Wie lassen sich kundenspezifische Elektronikprodukte effizient löten? Matthias Fehrenbach, Geschäftsführer von Eutect, erläutert im Markt&Technik-Interview, welche Trends in der Löttechnik eine Schlüsselrolle spielen.

Markt&Technik: Eutect wächst seit knapp 25 Jahren mit der Löttechnik und beschäftigt momentan 35 Mitarbeiter. Wie schafft es ein relativ kleines Unternehmen in dem von viel größeren Firmen geprägten Markt zu überleben?

Matthias Fehrenbach: Dabei hilft uns vor allem die langjährige Erfahrung im Bereich der Lötprozess- beziehungsweise der Aufbau- und Verbindungstechnik. Mein Vater, Manfred Fehrenbach, hat Eutect aus seinem 1978 gegründeten Sondermaschinenbauunternehmen ausgegliedert. Ziel war damals schon, Systeme für den Anwender zu entwickeln, mit denen er den größten Nutzen erzielt. In diese Anlagen wurden nach und nach Lötmaschinen integriert - so ist Eutect entstanden. Anfangs haben wir nur die selektive Miniwellen-Löttechnik angeboten, aber die Nachfrage nach kompletten Anlagen hat dazu geführt, dass unsere Kunden schon nach zwei Jahren komplette selektive Lötanlagen forderten und wir seit dem diese entwickeln, fertigen und programmieren. Auch heute verfolgen wir den Ansatz: Wir leben Löten jeden Tag. Mithilfe des Eutect Modulbaukastens entwickeln wir anwenderspezifische Lötanlagen und heben uns damit von der Masse ab. Weil wir vor allem bei uns im Haus produzieren, schaffen wir eine Fertigungstiefe, die andere Unternehmen so nicht anbieten können. Neben dem Miniwellenlöten bieten wir seit zehn Jahren auch die intern entwickelten Thermoden-, Laser-, Induktions- und Kolbenlötprozesse an.

Gibt es Überlegungen, Teile der Produktion ins Ausland auszulagern?

Ganz klar: Nein. Wir arbeiten zwar mit Zulieferern zusammen, diese befinden sich aber größtenteils in der Region. Eine Produktion im Ausland können wir uns auch gar nicht leisten. Bei kundenspezifischen Anlagen ist es nötig, dass wir Face-to-Face mit den Anwendern und Zulieferern kommunizieren. Nur so können wir uns und unsere Zulieferer gemeinsam weiterentwickeln. Südamerika, Asien oder Osteuropa sind dafür einfach zu weit weg.

Ihr größter Markt im Bereich der Löttechnik ist derzeit die europäische Automobilbranche. In welchen Märkten sehen Sie vielversprechende Wachstumschancen?

Die Automobilzulieferindustrie ist für uns ganz klar einer der wichtigsten Märkte. Aber auch Branchen wie die Medizintechnik, weiße Ware und Konsumgüterelektronik haben für uns eine große Bedeutung. Regional ist Europa der Kernmarkt. Durch viele neu eingeführte Techniken und Produkte versprechen wir uns viel von den Elektronikfertigungen der Smart Home Technologien.

Welche Trends sehen Sie in der Löttechnik auf sich zukommen und wie reagieren Sie darauf?

Effizienz spielt in der Löttechnik eine große Rolle. Anwender erwarten Anlagen, die wenig Rohstoffe und Energie verbrauchen. Aus diesem Grund haben wir kompakte und skalierbare Prozessmodule entwickelt. Auch die Eutect Werkstückträgertechniken spielen eine entscheidende Rolle, um die Produktivität zu steigern und Kosten zu senken. In heutigen Produktionen werden häufig komplette Werkstückträger mit allen Funktionen und dem zu bearbeitenden Produkt durch die Anlagen befördert. Weil solche Werkstückträger sehr schwer und groß sind, werden sie selten direkt vom Band gegriffen oder zu nachfolgenden Prozessen bewegt. Mit der Eutect Werkstückträgerkombination lassen sich durch einen aufsetzbaren und produktspezifischen Satellitenträger, die Werkstückträger mit einem Roboter und einer Handlings-Kinematik direkt vom Band greifen. Die Satellitenträger fertigen wir immer im Leichtbau. Dadurch lassen sich kleinere Roboter mit geringerer Traglast integrieren und weitere Kosten sparen.

Die Nachfrage nach flexibel einsetzbaren Maschinen steigt. Wie können Sie als Sondermaschinenbauer darauf reagieren?

Zunächst suchen unsere Kunden eine Lösung, die auf ihren Fertigungsprozess zugeschnitten ist. Zudem wollen Anwender die Anlage flexibel wiederverwenden, sprich umrüsten, um auch neue Produkte und Produktgenerationen damit löten zu können. Genau in diese Richtung zielen wir mit dem Modulbaukasten ab: Damit lassen sich die Maschinen modular entsprechend dem Kundenwunsch erweitern. Ein weiterer Trend in der Löttechnik ist die Prozesskombination. Durch flexible Software lassen sich verschiedene Lötverfahren miteinander in einer Maschinenzelle kombinieren, damit kann ein Mitarbeiter eine komplette Prozessfolge betreuen. Den Modulbaukasten bauen wir stetig aus. Mit dem Laser Knife werden wir demnächst ein weiteres flexibles Prozessmodul in den Markt einführen.

Welche Rolle spielt Industrie 4.0 für Sie derzeit?

Jedes Unternehmen definiert ja seine eigene Industrie 4.0-Philosophie. Wir decken den Begriff mit unserer geregelten Prozesstechnik, den adaptiven Maschinen und intelligenten Software-Paketen ab. Dazu beschäftigen wir ein zehnköpfiges Softwareteam, das sich mit Entwicklungen wie zum Beispiel dem Softwarepaket „EuRoC“ beschäftigt.

Welchen Anteil an der Wertschöpfung hat die Software inzwischen?

Der Anteil der Software ist fast so hoch wie der Materialeinkauf.

Denken Sie, dass die Maschinen das Handlöten überflüssig machen können?

Nein, ich bin mir sicher, dass es Handlöten bis zu einem gewissen Grad immer geben wird. Das fängt damit an, dass sich Produkte mit komplexem Produktdesign einfach noch nicht automatisiert löten lassen. Maschinen ersetzen kein jahrelanges Know-How im Handlöten. Menschliche Sensorik und Auge bringen hier meiner Meinung nach die maximale Leistung. Und auch bei kleinen Stückzahlen wird das Handlöten auch in Zukunft eingesetzt.

Sie haben die additive Fertigung angesprochen. Inwiefern spielt sie für die Löttechnik eine Rolle?

Bei Eutect spielt additive Fertigung hauptsächlich im Bereich der „Evaluierungen“, wie wir es nennen, eine Rolle. Dabei kommt der Kunde mit einem Produkt zu uns, dessen Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist. Gemeinsam überlegen wir, wie es später am besten zu fertigen ist. Anschließend entwickelt der Kunde einige Prototypen auf unserer Anlage. Es ist kostentechnisch nicht sinnvoll für diese Tests Werkstückträger, Robotergreifer oder spezifische Produktaufnahmen, aus dem Vollen zu fertigen. Diese Hilfsmittel fertigen wir daher additiv.

Könnte die Löttechnik additive Verfahren ergänzen?

Ja, wir ergänzen sie zum einen mit unserem SWF Drahtvorschubmodul, den weltweit einzigen Kraft- Weg-geregelten Drahtvorschub. Den Drahtvorschub gibt es zwar schon seit 2005 aber auch diesen entwickeln wir ständig weiter: Aktuell entwickeln wir das SWF Modul in zwei F+E Projekten für die additive Fertigung weiter. Und zum anderen stellen wir mit der Entwicklung neuer additiv gefertigter Induktionsaußenkreise den Dienstleistungsunternehmen der additiven Fertigung neue Aufgaben und kreieren somit gemeinsam neue Möglichkeiten.

Wo wollen Sie mit Ihrem Unternehmen in fünf Jahren sein?

In fünf Jahren werde ich die Geschäftsführung des Familienunternehmens voraussichtlich komplett übernommen haben. Bis dahin werden wir auch unsere neue Lösungsfabrik, sprich Firmengebäude in Dusslingen bezogen haben. Eutect wird also weiterhin in Familienhand bleiben und „Made in Germany“ entwickeln und fertigen. Generell streben wir weiterhin eine teamorientierte Zusammenarbeit und einen offenen Kundendialog an. Nur so können wir zusammen neue Techniken entwickeln und Markt- und Technologieführer im Bereich Kunden- und Produktspezifischen Lösungen werden.

Die Fragen stellte Anja Zierler.

zum Markt&Technik-Artikel